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Die Tristesse der Erweiterungscurricula
Von Freien Wahlfächern, Erweiterungscurricula, Strukturzwängen und Kostengründen...

Vor 10 Jahren gab es an der Universität Wien noch die kombinationspflichtigen Studien (AHStG 1992, welche auf der Politikwissenschaft gerade ausgelaufen sind). Bei diesen Studien wurde ein Hauptfach (z.B. POWI) mit einem dazu passenden Nebenfach (z.B. Geschichte oder Philosophie) kombiniert und alle dafür jeweils vorgesehenen Lehrveranstaltungen mussten absolviert werden. Das änderte sich dann beim ,,neuen'' Diplomstudienplan, in welchem das Nebenfach einfach durch 48 SStd. freie Wahlfächer ersetzt wurde. Bis auf manche Einschränkungen (z.B. Beschränkung der Fächer auf gewisse andere Studienrichtungen) waren diese Wahlfächer tatsächlich ,,frei'' und es wurde einem ermöglicht z.B. wirklich nach Interesse zu studieren (was einem allerdings auf der anderen Seite durch die katastrophalen Rahmenbedingungen, wie etwa völlig überfüllte Proseminare in einigen Studienrichtungen, etwa der Politikwissenschaft, dann auch wieder verunmöglicht wurde).

Die Regelung der Freien Wahlfächer war äußerst angenehm und studierendenfreundlich. Es ermöglichte sowohl ein Studium nach Interesse (möglichst interessante Lehrveranstaltungen zu besuchen), als auch ein Studium nach Faulheit (möglichst einfache Lehrver anstaltungen zu besuchen). Um die armen unmündigen Studis nicht zu verwirren, kam die Uni bald auf die glorreiche Idee, Lehrveranstaltungen (nämlich in der Regel die langweiligsten und uninteressantesten, also kurz die sogenannten ,,Einführungsveranstaltungen'') einer Studienrichtung als sogenannte ,,Wahlfachmodule'' für andere Studienrichtungen zu organisieren.

Solange diese Module nur eine Empfehlung blieben, welche Lehrveranstaltungen denn gut zusammenpassen würden, war das natürlich nur ein Vorteil (inkl. Erwähnung der absolvierten Wahlfachmodule im Diplomzeugnis). Bei den Erweiterungscurricula ist es nur leider nicht mehr optional... Was passiert, wenn sich Regulierungswahn mit Strukturzwängen und Sparmaßnahmen paaren, sieht man beim Konzept der Erweiterungscurricula (EC), welches derzeit noch völlig unausgegoren zu sein scheint: Jede Studienrichtung bietet ein oder mehrere EC im Ausmaß von 10 bis 30 ECTS an (idR. ein ,,Basic''-EC mit 15 ECTS und ein darauf aufbauendes EC mit weiteren 15 ECTS). Ein EC besteht aus mehreren Lehrveranstaltungen, die (idR.) fix vorgegeben sind und alle erfolgreich absolviert werden müssen um ein EC abzuschliessen. Eine Auswahlmöglichkeit von Lehrveranstaltungen innerhalb eines EC besteht in der Regel nicht (Ausnahme: das Politikwissenschafts-EC). Da Erweiterungscurricula nur Kosten und Verwaltungsaufwand für die sie jeweils anbietenden Institute bedeutet, ist es natürlich im Interesse eines jeden Instituts nur möglichst kostengünstige Lehrveranstaltungen (sprich Vorlesungen) in ein Erweiterungscurriculum hineinzunehmen und das Erweiterungscurriculum insgesamt möglichst so abstoßend zu gestalten, dass die Studierenden doch lieber ein EC von einer anderen Studienrichtung nehmen. So findet sich in den ganzen 60 derzeit aktiven Erweiterungscurricula die es derzeit an der Uni Wien gibt keine einzige prüfungsimmanente Lehrveranstaltung (also z.B. Proseminare, Seminare, Übungen), sondern ausschließlich Vorlesungen. War es bei den Freien Wahlfächern sogar noch verpflichtend einen gewissen Anteil an prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen zu haben (auf der Politikwissenschaft z.B. 12 SStd.) so wurde dies bei den EC aus Kostengründen ,,wegrationalisiert''.

Für Leute die ihr Studium möglichst schnell hinter sich bringen wollen um sich am Arbeitsmarkt verwerten zu lassen und für eine Universität die mit möglichst hohen AbsolventInnenzahlen punkten möchte sicher von Vorteil. Für Leute die (zumindest auch) aus Interesse studieren aber eine schiere Katastrophe. Ist doch das Verständnis einer Materie ausschließlich über Vorlesungen, meistens nicht zu vermitteln.

Ein Studieren nach Interesse wird aber derzeit nicht nur strukturell (durch überfüllte Lehrveranstaltungen und ,,Kosten sparen'' an allen Ecken und Enden) sondern auch ganz prinzipiell verunmöglicht. Kleines Beispiel: Du findest das Proseminar XY der Studienrichtung Z, das nächstes Semester angeboten wird, unglaublich interessant und willst es unbedingt machen - obwohl Du weißt, dass es Dir nichts bringen wird, weil es ja im Rahmen der EC nicht anrechenbar ist. Was also tun? Dich normal mit Deiner POWIStudienkennzahl übers Anmeldesystem dafür anmelden bringt nichts, weil Du zurückgereiht werden wirst, weil das Anmeldesystem Leute mit der Studienkennzahl für Z vorziehen wird. Z inskribieren würde zwar funktionieren, aber Du wirst Dich nicht mit Z anmelden können, weil Du ja die Studieneingangsphase für Z nicht fertig absolviert hast. Kurzum: Dumm gelaufen. Tatsächlich bieten die EC aber auch durchaus Vorteile: War bei den Freien Wahlfächern noch eine gewisse ,,Fächerverwandtschaft'' (z.B. geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer) notwendig, so entfällt dies bei den EC völlig. Es ist also kein Problem das EC ,,Ägyptologie'' oder ,,Numismatik'' für POWI zu verwenden. Auch dass bei den Freien Wahlfächern notwendige und relativ lästige Anrechnen entfällt. Das eigentliche Potential von EC würde aber in interdisziplinären Erweiterungscurricula liegen. Ein bereits existierendes Beispiel wäre das EC ,,Psychoanalyse'', bei der allerdings bis vor kurzem noch nicht alle notwendigen Lehrveranstaltungen zur Verfügung standen. Aus Kostengründen?